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Joachim Griess, Jürgen Kellig, Hanswerner Kirschmann,
beate maria wörz
Struktur – Zeichnung | Skulptur
3. Dezember 2009 – 28. Januar 2010, Mo – Fr 9 – 19 Uhr
Zur Eröffnung der Ausstellung am
Mittwoch, den 2. Dezember 2009 um 19 Uhr
laden wir Sie herzlich ein in das
Foyer der Deutsche Wohnen AG
Mecklenburgische Straße 57, 14197 Berlin
Begrüßung: Karl-Hans Schumacher, Deutsche Wohnen AG
Einführung: Christoph Tannert, Künstlerhaus Bethanien
In der kommenden Ausstellung widmet sich das GEHAG-Forum anhand der Arbeiten von beate maria wörz, Joachim Griess und Jürgen Kellig dem Zeichen und der Struktur in der Zeichnung sowie anhand von Hanswerner Kirschmanns skulpturalen Arbeiten der Spannung zwischen klarer, kubischer Form und amorphen Gebilden. Allen vier Positionen ist gemeinsam, dass sie nicht an Abbildung von Wirklichkeit interessiert sind, sondern Zeichen, Zeichencluster und Formen als eigenständige ästhetische Bilder und Objekte begreifen und untersuchen.
beate maria wörz präsentiert Ergebnisse eines Selbstversuches. Zeichnen bzw. Malen unter dem Diktat der Zeit. Eine Zeitspanne von einigen Sekunden nutzt sie, um mit breiten Pinselstrichen Linien, Winkel und ähnliche Zeichen aufs Papier zu bringen. Auf den ersten Blick erinnern sie an Tachistische Malerei oder japanische Kalligraphie. In wiederum anderen Zeichnungen ordnet sie Zeichen und Linien zu Feldern und Clustern. Viele meinen, in den Zeichnungen und Bildern Anmutungen von Kartographien zu sehen. Und in der Tat nutzt beate maria wörz manchmal Karten als Ausgangspunkte ihrer „Feldforschungen“. Die Zeichen und Linien werden jedoch von ihr aus dem Korsett eines geografischen Bedeutungszusammenhangs gerissen und verweisen auf nichts anderes als sich selbst.
Joachim Griess’ Bilder weisen eine klare formale Strenge auf und sind mit unter-schiedlicher Technik hergestellt. Mit Bleistift und Ölpastell setzt er rechteckige Farbfelder voneinander ab. Der flächendeckende Auftrag des Ölpastells kontrastiert mit den aus der Entfernung einheitlich grau erscheinenden Flächen. Beim Nähertreten jedoch wird das vermeintliche Grau als dünne Bleistiftschraffur erkennbar. Fläche, Linie, Raum und Farben sind die Elemente, die Griess in seinen kontemplativ wirkenden Papierarbeiten zueinander ins Verhältnis setzt.
Jürgen Kellig zeigt großformatige Bilder, auf denen er im All over-Verfahren mit Tu-sche Zeichen und Linien aufgetragen hat. Auf einigen Bildern sind es äußerst feine dünne Striche, auf anderen etwas breitere Linien oder gar nur Punkte. Die Zeichen for-mieren sich zu Ausschnitten größerer Zusammenhänge und werden von Kellig auch als „Mikro-Makro-Kosmen“ benannt. Damit verweist er auf eine Welt, die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar ist. Die Bilder wecken Assoziationen zu Zellkulturen, Nervensträngen und Blutgefäßen. Am Ende sind es jedoch einfach „nur“ Zeichen, die Kellig zu großen Feldern anordnet. Chaos und Ordnung sind die dichotomischen Pole seiner Tableaus, in denen sich mal energetische Zentren erkennen lassen und die dann wieder völlig ungeordnet und chaotisch erscheinen.

Hanswerner Kirschmanns architektonische Skulpturen aus Holz mögen auf den ersten Blick als Podeste erscheinen. Es sind eigenartig miteinander verbundene Kuben, die hier und dort auf eigenwillige, runde und amorphe Gebilde stoßen. Die Skulpturen basieren auf einer formalen Spannung zwischen akkurater Rechtwinkligkeit und scheinbar unkontrollierten und chaotisch wirkenden Flecken, Einschüben oder Verletzungen. Alles ist von Kirschmann jedoch mit präzisen technischen Zeichnungen geplant und entworfen. Die Präzision der Durcharbeitung erweckt den Eindruck eines funktionalen Zwecks, einer technischen Funktion. Die Objekte genügen sich jedoch selbst. Es sind Gebilde, denen eine ästhetische Spannung verschiedener Formsprachen eingeschrieben ist.
beate maria wörz (*1963 in Laupheim), 1991–97 Kunststudium an der HdK Berlin; 1998 Sti-pendium Käthe-Dorsch-Stiftung, im selben Jahr Stipendium Stiftung Kunstfonds; 2002 Symposium „Gewalt überwinden“ in Lublin (Majdanek), Pl.; 2005 Arbeitsstipendium Alfred Koechlin Stiftung in der Schweiz; seit 1996 Ausstellungen im In- und Ausland; lebt und arbeitet in Berlin.
Joachim Griess (*1960 in Stolberg) absolvierte eine Ausbildung zum Steinmetz; 1985–1988 Studium an der Staatlichen Kunstakademie in Maastricht; 1989–1994 Studium an der HdK zuletzt als Meisterschüler der Bildhauerei; 1999–2003 Aufenthalt in New York; lebt und arbeitet in Berlin.
Jürgen Kellig (*1953 in Berlin), 1973–1975 Ausbildung als Technischer Zeichner; 1976–1985 Auslandsaufenthalte; seit 1986 intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst; Kurse für Malerei, Bildhauerei und Fotografie; 1998, 2000 Arbeitsstipendien der Thüringischen Sommerakademie; 1999 Projektförderung durch Käthe-Dorsch-Stiftung; seit 1995 Ausstellungen mit Malerei und Fotografie; lebt und arbeitet in Berlin.
Hanswerner Kirschmann (*1953 in Köngen), als Künstler Autodidakt; 2001 Wettbewerb für Kunst im öffentlichen Raum Bremen; Bremer Stipendium in Berlin; 2003 Einzelausstellungen im Generalkonsulat New York und 2009 in Kroatien u.a. sowie diverse Gruppenausstellungen; lebt und arbeitet in Bremen.
Laden Sie hier die Rede Christoph Tannerts zur Ausstellungseröffnung als PDF herunter