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Zwei Architektur-Expertinnen der Deutsche Wohnen Construction and Facilities GmbH – Angela Lindow, Director Technisches Projektmanagement, und Eike Petersen, Projektleiterin Technisches Projektmanagement – berichten im Interview.

2019 ist Bauhaus-Jahr, die bekannteste Design- und Architekturschule der Moderne wird 100 Jahre alt. Obwohl die Bauhaus-Zeit nur 14 Jahre währte, gilt sie als Meilenstein. Was ist für Sie das Besondere an der Bauhaus-Architektur?

Eike Petersen: Mich überzeugt die klare Formensprache der Bauhaus-Architektur, die sich auf das Wesentliche konzentriert und alles Überflüssige ausspart. Die Bauhäusler haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man mit der Optimierung von funktionalen Abläufen zu einer ganzheitlichen Betrachtung kommt. Und damit auch schneller und preisgünstiger sein Ziel erreicht. Sie entwickelten neue Konzepte des Wohnens, die sich zum Beispiel in der Mehrzweckfunktion von Räumen zeigten. Die sogenannte Frankfurter Küche, der Urtyp der modernen Einbauküche, vereinfachte die Abläufe beim Kochen enorm. Das Wohnzimmer war mit einem Handgriff, mit dem man aus dem Schrank ein Bett machte, ein Schlafzimmer. Das war ganz neu damals, das gab es vorher nicht.   

Angela Lindow: Ja genau, mit dieser Reduktion auf das Einfache, Funktionale gingen die Bauhaus-Architekten ganz neue Wege. Mir gefällt das Experimentelle daran, das Über-den-Tellerrand-Schauen dieser Zeit, das war geradezu revolutionär. Dazu gehört auch der neue, mutige Umgang mit Materialien, Formen und Farben. Es war ja eigentlich ganz einfach: Man konzentrierte sich auf Rot, Gelb und Blau, auf Quadrat, Kreis und Dreieck und schon hatte man ein Konzept, aufs Wesentliche konzentriert und mit Wiedererkennungswert. Weniger ist bekanntlich mehr.

Kann der Wohnungsbau der Gegenwart etwas vom Bauhaus lernen?

Angela Lindow: Auf jeden Fall. Man hat es damals geschafft, mit strukturierten Abläufen und einfachen Mitteln schnell und qualitativ gut zu bauen. Eigentlich war die Situation wie heute: Es fehlten Wohnungen. Der Unterschied ist nur, man hat sich etwas ausgedacht und es umgesetzt. Und sich dabei nicht nur auf Besserverdienende konzentriert, gebaut hat man für Arbeiter und Kleinbürgertum. Dass dabei jede Wohnung einen Keller hat, war damals in der Bauordnung festgelegt. Heute nicht mehr. So praktische Einrichtungen wie Waschküchen und Trockenböden lässt man heute weg – zugunsten von Platzmangel und Schimmelbildung. Da war man schon mal weiter.

Gibt es auch im Bestand der Deutsche Wohnen typische „Bauhäuser“?

Eike Petersen: DAS typische Bauhaus gibt es meines Erachtens nicht. Ausgehend vom Bauhaus entwickelten sich verschiedene Strömungen, die sich alle unter dem Begriff „Klassische Moderne“ fassen lassen. Unsere vier UNESCO-Welterbe-Siedlungen gehören natürlich dazu, die lassen sich dem zeitgenössischen Stil des Neuen Bauens zuordnen. Aber auch Gartenstädte, die teilweise auch schon vor dem Bauhaus im sogenannten Reformwohnungsbau entstanden sind, fallen mir hier ein. Wie etwa Hellerau in Dresden, Cracau in Magdeburg oder unser Bestand am Berliner Südwestkorso und das sogenannte Velodrom, das wir gerade erst umfassend saniert haben.

Diese von Ihnen beschriebenen Häuser gehören zu den rund 30.000 denkmalgeschützten Einheiten im Bestand der Deutsche Wohnen. Eine beachtliche Zahl, die aber auch problematisch klingt. Was sind die Herausforderungen bei der Pflege von denkmalgeschützten Gebäuden?

Angela Lindow: Bei der Sanierung von unseren denkmalgeschützten Wohnhäusern treffen wir immer wieder auf Mieter, die wenig Verständnis für unsere Vorhaben haben. Sie können die teilweise sehr aufwendigen Instandsetzungen nicht wertschätzen, ganz einfach weil sie kein Bewusstsein für denkmalpflegerische Belange haben. Da müssen wir ganz schön Überzeugungsarbeit leisten, vor allem bei den Außenanlagen. Aber es gibt auch viele, die sich darüber freuen. Bevor wir anfangen, müssen wir oft bauzeitliche Analysen durchführen lassen, weil wir keine Original-Unterlagen mehr haben. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Letzteres müssen wir auch bei den Abstimmungen mit den Denkmalschutzbehörden einplanen, deren Auflagen wir erfüllen müssen. Nicht zuletzt ist es oft schwierig, Experten und Handwerker zu finden, die sich mit der Materie auskennen und die oft aufwendigen Arbeiten ausführen können.

Bruno Taut als wichtigster Architekt von Großsiedlungen im Berlin der 1920er Jahre war kein Bauhäusler, sondern ein Vertreter des Neuen Bauens  – mit Sicherheit aber inspiriert von den neuen Ideen. Was hat er Ihrer Meinung nach von den Ideen übernommen oder eventuell besser gemacht als seine Zeitgenossen?

Eike Petersen: Taut hat sich sicher mit den Ideen des Bauhauses beschäftigt. So wollte er ja auch mit seinen Siedlungen Wohnraum für den einfachen Arbeiter schaffen und setzte das mit wiederkehrenden Motiven – wie bestimmte Farbschemata und modularen Bauteilen – erfolgreich um. Die Grundfarben, mit denen etwa die Fensterrahmen bei den Bauten von Taut gestrichen sind, sind ja auch die Farben, die von den Bauhäuslern eingesetzt wurden. Darüber hinaus hat er ein Farbschema entworfen, das 12 typische Farben enthält – dessen Einsatz findet sich sehr schön in den Treppenhäusern wieder.