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Herr Stöckicht, Immobilienwirtschaft und Digitalisierung – passt das zusammen?

Natürlich sind wir keine „First Mover“, und natürlich wirken selbstfahrende Autos, Payment per Fingerabdruck und Musik-Playlists, die sich durch KI dem eigenen Geschmack anpassen, disruptiver. Aber in der digitalen Wohnungswirtschaft passiert ganz viel hinter den Kulissen, und das macht das Wohnen heute schon besser – für alle Beteiligten.

In welche Projekte investieren Sie?

Wir streben keine reinen Investments an, sondern sind immer inhaltlich getrieben: Was kann unseren Kunden, Kollegen und Dienstleistern in den Quartieren und Wohnungen echten Mehrwert bieten? 

Wichtig ist uns dabei, dass wir die Produkte selbst auch einsetzen und im Betrieb mit unseren Partnern weiterentwickeln können. Daher sitzen wir bei solchen Themen generell gemeinschaftlich und abteilungsübergreifend am Tisch – eine Weiterentwicklung der digitalen Produkte kann nie von einer internen Einheit allein getrieben werden.

Hätten Sie ein Beispiel zum Thema „Mehrwert“?

Zwei sogar: einerseits KIWI, deren digitale Schließsysteme die Bewirtschaftung erleichtern, weil ein Dienstleister, der spontan für eine Reparatur ins Haus möchte, sich nicht erst irgendwo einen Schlüssel organisieren muss, sondern von uns die PIN und damit direkten Zugang erhält. Das wiederum beschleunigt die Arbeit und hilft damit dem Kunden. 

Und Nummer zwei?

Das ist unsere Partnerschaft mit dem Startup Convaron, früher VRnow, das sich auf digitale Grundrisserkennung und Bestandsanalysen von Wohnungen und Gebäuden auf Basis von künstlicher Intelligenz spezialisiert hat. Das Investment ist übrigens aus der Partnerschaft mit dem blackprint Booster entstanden – ein Beleg, wie gewinnbringend unser inzwischen ja sehr enger Kontakt zur PropTech-Szene ist. 

Ziel für uns ist die Digitalisierung des Gebäudes. Hierbei ist Convaron ein wichtiger Baustein. Wir können Wohnungen mit viel weniger Aufwand verwalten, weil wir sie besser kennen. Und der Mieter muss sich in nicht allzu ferner Zeit nicht mehr die Mühe machen, zur ersten Wohnungsbesichtigung hinzufahren. Stattdessen wird er sich dank Virtual Reality und 3D-Technologie das Objekt vom heimischen PC, mit dem Smartphone am Strand oder mit der VR-Brille bei uns im Showroom angucken können.

In welchen Bereichen wird die Digitalisierung die Immobilienbranche in den nächsten zehn Jahren am stärksten verändern?

Zum einen wird es darum gehen, Effizienzen in der Bewirtschaftung zu verbessern. Dafür müssen möglichst viele Vorgänge oder Informationen digital und in Echtzeit verfügbar sein. Ein Beispiel: Ein Aufzug fällt aus. Je kürzer die Kette ist, bis der Dienstleister Bescheid weiß, desto besser. Im Idealfall erfährt er per automatisierter Push-Nachricht nicht nur, dass es einen Defekt gibt, sondern schon, welches Teil kaputt ist. Oder noch besser: Das Ersatzteil wird automatisch bestellt, weil das System selbst erkennt, dass keines mehr auf Lager ist. Und noch einen Schritt weitergedacht – und da kommen wir in den Predictive-Bereich hinein: Der Aufzug sagt uns drei Tage vorher Bescheid, dass sich ein Defekt anbahnt. Genauso wichtig ist, dass wir die Informationen dann auch zielgerichtet an unsere Kunden ausspielen und unseren Kundenservice parallel informieren.

Der zweite Bereich sind Mehrwerte im Bereich Wohnen. Banken oder Energiekonzerne erleben das ja längst: Sie weiten ihre Services ebenfalls über die traditionellen Produkte wie Konten und Stromverträge hinaus aus. Genauso fragen wir uns: Gibt es Services jenseits des Mietens, mit denen wir die Kundenzufriedenheit steigern können?

Wie erleben Sie im Immobiliensektor die Zusammenarbeit zwischen Startups und Konzernen? 

Meiner Meinung nach zu vorsichtig. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede, was Agilität und Geschwindigkeiten angeht. Das lässt sich auch nicht von heute auf morgen ändern. Umso wichtiger ist daher, dass es auf der Unternehmensseite jemanden gibt, der übergreifend für die Zusammenarbeit mit Startups verantwortlich ist. Dass man den Mut mitbringt, in einem abgrenzbaren „Proof of Concept“ Neues auszuprobieren. Dass man klare Ziele definiert und ein gemeinsames Verständnis entwickelt, was der wirkliche Mehrwert sein soll. Und last but not least ist es entscheidend, die internen Kollegen aus dem Kerngeschäft auf die Reise mitzunehmen.

Das alles vorausgesetzt, können beide Seiten massiv voneinander profitieren. Denn was vielen PropTechs fehlt, ist das Know-how in der Immobilienwirtschaft, da sie aus dem Technologiesektor kommen – das ist vergleichbar mit FinTechs und Banken. Die Kompetenz haben wir, die Kundenschnittstellen ohnehin und auch die Kontakte zu Partnern wie Handwerkern. Das bringen wir ein, um zusammen die Produkte zu entwickeln, die der Markt wirklich braucht. 

Deutschland ist in vielen digitalen Spielfeldern nicht unbedingt die Nummer eins – da denkt man ans Silicon Valley oder Israel. Wie sieht es im PropTech-Bereich aus?

Das erlebe ich in unserer Branche tatsächlich ganz anders. Mein Eindruck ist, dass sich in Deutschland und gerade hier in Berlin extrem viel im PropTech-Bereich tut. Im Sommer ist die Zahl der PropTechs hierzulande erstmals auf mehr als 300 gestiegen – übrigens mit dem stärksten Wachstum in der Immobilienbewirtschaftung. Was die Breite an Unternehmen und Formaten angeht, die sich in Deutschland inzwischen finden, sind wir ganz vorne dabei.