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Faktencheck zur Vergesell­schaftungs­debatte

Die öffentliche Diskussion um die mögliche Enteignung großer Wohnungsbestände in Berlin wird oft von emotionalen Annahmen dominiert. Hier unterziehen wir zentrale Botschaften der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ (DWE) einem Faktencheck.

Würde eine Vergesellschaftung die Berliner Mieten senken?

Die Behauptung der Initiative: Die DWE geht davon aus, dass eine Enteignung zu einem dauerhaften und spürbaren Mietkostenrückgang auf dem Berliner Wohnungsmarkt führt.

  • Fakt ist jedoch: Der Rechnungshof Berlin warnt davor, dass eine betriebswirtschaftlich tragfähige Refinanzierung der Milliardenkosten erst ab einer Miete von hohen zweistelligen Quadratmeterpreisen möglich ist.
  • Detailanalyse: Das Wirtschaftsmodell einer vergesellschafteten Wohnungsverwaltung (AöR) bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Entschädigungshöhe und Mietpreis. Das Ziel der Initiative, dauerhaft niedrige Mieten anzubieten, lässt sich rein rechnerisch nur realisieren, wenn die Entschädigung drastisch unter dem Marktwert angesetzt wird. Bei einer verkehrswertnahen Entschädigung gerät das Modell ohne deutliche Mietanhebungen oder dauerhafte Zuschüsse aus Steuergeldern unweigerlich in ein strukturelles Defizit (siehe auch unsere FAQ-Seite).
    Die Annahme, dass die neu zu gründende Anstalt öffentlichen Rechts die vergesellschafteten Wohnungen noch deutlich effizienter bewirtschaften könnte als große, professionelle Vermieter ist nicht anzunehmen. Die Kosten würden vielmehr explodieren – mit der Folge, dass die Mieten steigen (oder der Staat einspringen muss).
  • Quellen: Berliner Rechnungshof, Vergesellschaftungsrahmengesetz

Kann sich das Land Berlin eine Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen leisten?

Das Argument der Initiative: Der Berliner Landeshaushalt könnte die finanziellen Folgen einer Enteignung ohne Risiko tragen.

  • Fakt ist jedoch: Die Höhe der Entschädigungskosten ist derzeit nicht absehbar. Der Berliner Rechnungshof schätzt diese auf ca. 36 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Berliner Jahreshaushalt entspricht aktuell nur rund 45 Milliarden Euro.
  • Detailanalyse: Die derzeitigen Entschädigungsberechnungen der Initiative sowie die unrealistisch niedrig eingestuften Bewirtschaftungskosten sind aus ökonomischer Sicht höchst bedenklich. Das Vorhaben belastet den Berliner Haushalt enorm. Denn die von der Initiative geplanten Schuldverschreibungen müssten mit finanziellen Mitteln garantiert werden – und zwar vom Staat. Die Entschädigungssumme von bis ca. 36 Milliarden käme direkt zur bestehenden Berliner Landesverschuldung von etwa 68 Milliarden Euro hinzu. Diese immense Bindung von Haushaltsmitteln lähmt die Stadt über Jahrzehnte. Laut Rechnungshof wären außerdem allein in den ersten zehn Jahren jährliche Zuschüsse von 700 Millionen bis zu 1 Milliarde Euro aus Steuergeldern notwendig, die folglich bei wichtigen Themen wie Kita-Ausbau, Schulsanierung oder sozialem Wohnungsneubau fehlen würden. Zum Vergleich: Die gesamte Berliner Schulbauoffensive, das größte Investitionsvorhaben des Landes Berlin im Bildungsbereich, ist mit rund 5,5 Milliarden Euro veranschlagt (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, 2022). Die Entschädigung der Vergesellschaftung wäre damit mehr als sechs Mal so hoch.
    In der Kalkulation der Initiative fehlt zudem die Folgerechnung für den Berliner Haushalt: Laut einem Gutachten des IW Köln (Juni 2026, im Auftrag von Berliner Sparkasse, Volksbank, DKB und IBB) würde eine Vergesellschaftung nicht nur direkte Kosten erzeugen, sondern auch geringere Steuereinnahmen durch Investitionsrückzug und höhere Risikoaufschläge auf Berliner Anleihen verursachen – Kosten, die dauerhaft sind und sich nicht quantifizieren lassen. Bereits heute zeigen Banken Zurückhaltung beim Finanzieren neuer Wohnungsbauprojekte in Berlin; und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt jährlich bis zu 30.000 neue Wohnungen braucht.
  • Quellen: Berliner Landeshaushalt 2026, Berechnungen des Rechnungshofs

Vermieten große private Wohnungs­unternehmen in Berlin wirklich so schlecht, wie oft behauptet wird?

Die Kritik der Initiative: Die DWE wirft privaten Wohnungsunternehmen pauschal vor, Profit über Gemeinwohl zu stellen und die Interessen der Mieterinnen und Mieter zu ignorieren.

  • Fakt ist jedoch: Die Mieten bei Deutsche Wohnen und Vonovia in Berlin betragen durchschnittlich 8,23 €/m² bei bestehenden Mietverträgen (Stand August 2026). Die Hälfte der Wohnungen liegt preislich unter vergleichbaren Einheiten des Berliner Mietspiegels. Bei der Neuvermietung beträgt die Median-Angebotsmiete von Vonovia 10,80 €/m² und ist damit deutlich niedriger als die von der Investitionsbank Berlin (IBB) ausgewiesene Median-Angebotsmiete von fast 16 €/m².
  • Detailanalyse: Die pauschale Kritik wird nicht nur in puncto Mietpreis, sondern durch weitere reale Unternehmensdaten widerlegt. Folgende Aspekte zeigen beispielhaft, wo wir einen gesellschaftlichen Beitrag leisten:
    • Mehr als 45.000 Mietparteien von Deutsche Wohnen und Vonovia wohnen mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS). Dies entspricht einer sozialen Quote von 36,8 Prozent.
    • Wir schützen Mieterinnen und Mieter aktiv durch eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Mietbelastungsgrenze, bei der niemand mehr als ein Drittel des Haushaltseinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden soll.
    • Eine lange durchschnittliche Wohndauer von 13,2 Jahren belegt die hohe Mieterzufriedenheit in den Quartieren.
    • Im Jahr 2025 haben wir 384 Millionen Euro in Berliner Wohnungen in Instandhaltung, Modernisierung und Neubau investiert. Für 2026 sind 539 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, ohne Belastung des öffentlichen Haushalts, eingeplant.
    • Unsere Investitionen kommen dem Klimaschutz zugute: In den letzten drei Jahren haben wir durch Modernisierungen wie Heizungstausch, Dämmung und weitere Maßnahmen rund 4.000 Tonnen CO₂ in Berlin vermieden. Über 91.000 Solarmodule in Berlin produzieren Strom direkt für unsere Mieterinnen und Mieter.
    • Zwischen 2023 und 2025 haben wir insgesamt 5.525 Wohnungen in Berlin barrierearm umgestaltet. Somit sind rund 35 Prozent aller neu vermieteten Wohnungen barrierearm.
    • Ob Sportangebote für Jugendliche oder Senioren-Cafés: Wir fördern Initiativen, die das Leben im Kiez bereichern. Allein im Jahr 2025 haben wir in Berlin 72 soziale Projekte unterstützt. Mit der Vonovia Sozialstiftung stärken wir Nachbarschaftsprojekte, fördern Siedlungen und helfen Mieterinnen und Mietern in Notlagen. Beispiele sind „Housing First“ für wohnungslose Frauen, die Kooperation mit dem Verein „Hestia e.V.“ für Zufluchtsorte für Frauen und Kinder in Gewaltsituationen und die Bereitstellung von Räumlichkeiten für das „Haus Strohhalm", eine Obdachloseneinrichtung in einem Berliner Neubau der BUWOG.
  • Quellen: Geschäftsberichte von Deutsche Wohnen und Vonovia
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